Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

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EcoDrive
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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von EcoDrive » 18. Dez 2011 11:03

Anlässlich meiner Probefahrt im Ampera, habe ich beobachtet, dass in Wahlstellung D die Verzögerung (Rekuperation) bei Gaswegnahme in etwa zwischen demjenigen eines konventionellen Benziners und eines Diesel liegt.
In Wahlstellung L wird stärker rekuperiert, also wie Herunterschalten, oder ‚2‘ beim Automaten. Das ist von den Ingenieuren so gewollt. Es wurde nicht die maximale rekuperative Bremsleistung des 111 KW Motors gewählt. Macht ja auch keinen Sinn. Ich erinnere an entsprechende Aussagen im Blog: höhere Ladeströme führen auch zu höheren Verlusten. Bei Verwendung der max. Rekuperation des 111 KW Motors dh in einer rutschigen Kurve vom ‚Gas‘ gehen… und man fliegt von der Strasse.
Eine stärkere Rekuperation geht wohl erst beim Allrad-Ampera der dann hinten einen weiteren E-Motor hätte. ;-)
Opel stellt ja den Anspruch, der Ampera verhält sich genau gleich wie jedes andere konventionelle Fahrzeug. Das hat auch nichts mit der Gesamtleistung des rekuperativen Systems zu tun.

Im Opel Blog ist nachzulesen, dass der Ampera die derzeit höchste rekuperative Leistung eines Serienfahrzeugs bringt. Bis 80% der Bewegungenergie wird in die Batterie zurückgespiesen. Beim Betätigen des Bremspedals arbeiten die beiden Systeme, Rekuperation und Scheibenbremsen parallel und nicht nacheinander.
Wobei ich der Meinung bin, dass mit dem Bremspedal (also bewusstes Bremsen, nicht einfach weg vom Gas) noch etwas mehr Rekuperation als in ‚L‘ programmiert ist.
Je nach Bremsanforderung arbeitet nur die Rekuperation oder beide Systeme zusammen bis dann bei der Notbremsung nur noch die Scheiben greifen. Es gibt (aus Sicherheitsgründen) leider keine optische Anzeige, wann die Scheiben beim Bremsen hinzukommen.
Opelblog und Seite 124 des Handbuchs.
Opel Ampera, 2012 seit 3.5.12.
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35504 km elektr. mit 12,88 kWh/100km ab Akku.
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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von madmarc » 18. Dez 2011 11:30

Was Opel sagt muß, interessiert mich nicht so. Opel sagt auch das es ein Elektroauto mit Rangeextender ist.

Alles ein Marketing Gag und nicht mehr. Zahlen sind interessant. Bilder wie das System aufgebaut ist und Messwerte wieviel Ampere läd das System wirklich.

Ich weiß es vom Prius, er kann mehr in die Batterie einspeisen als entnehmen. Entnahme Strom maximal 120A, Einspeisung maximal was ich abgelesen habe 135A ich glaube er kann aber 150A.

Man fliegt auch nicht ab wenn die maximale Amperzahl beim Bremsen nur an der Vorderachse rekupiert wird.

Jeden Tag fahre ich an einer bergab 90 Grad Kurve vorbei, wo ich die Situation habe. von 70-100km/h runter auf 20km/h, dort werden dann recht nette Ampere in den Akku geladen, ohne das die mechanische Bremse angeht. Die Kurve ist auch sehr rutschig wenn es naß ist, aber es macht dort keinen Unterschied.
Warum, weil ein wenig unterschätzt wird wie groß die Bremsleistung einer Bremsanlage ist. und die 30KW mit denen der Prius bremst verzögern zwar ok, aber reichen bei weitem nicht aus das Auto instabil zu machen.
Schauen wir mal wie es im Winter auf Schnee und Eis tut...

Joachim
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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von Joachim » 18. Dez 2011 11:51

Zwischen einem 30 kW Motörchen und einem 111 kW Motor ist ein großer Unterschied!

Klar ist, wie analog beim Beschleunigen, dass der leistungsstarke Motor im Ampera wesentlich mehr Energie zurückspeisen kann, als der Prius.

Das sagt nicht Opel, sondern die Physik.

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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von Priusfan » 18. Dez 2011 15:21

Joachim hat geschrieben:Zwischen einem 30 kW Motörchen und einem 111 kW Motor ist ein großer Unterschied!

Klar ist, wie analog beim Beschleunigen, dass der leistungsstarke Motor im Ampera wesentlich mehr Energie zurückspeisen kann, als der Prius.

Das sagt nicht Opel, sondern die Physik.
Entscheidend ist nicht was der E-Motor (Generator) für eine Leistung hat. Entscheidend ist welche Leistung der Akku aufnehmen kann. Insbesondere bei langsamen Drehzahlen kann ein 111KW Generator nicht mehr die volle Leistung erbringen. Beim Prius ist übrigens unter ca. 10km/h gar keine Rekuperation mehr möglich.

Beim normalen Bremsen in der Stadt aus 55-60km/h benötigt man nur ca. 10-15KW Bremsleistung. Bei voller Rekuperationsleistung (111KW) gleicht das schon fast einem Ankerwurf. Aber auch bei den mechanischen Bremsen sinkt die Leistung bei geringer Geschwindigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man bei 50km/h überhaupt noch 100KW Bremsleistung auf die Straße bringt. Bei 150km/h können es hingegen auch schonmal 200KW und mehr sein.

Bei rutschigen Straßen springt auch schonmal das ABS nur beim Rekuperieren an. Im Gegensatz zu konventionellen Autos spürt man das nicht am Brenspedal sondern sieht nur die ESP Lampe wild blinken.

Im übrigen hat das 30KW E-Motörchen im Prius 60KW.

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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von Joachim » 18. Dez 2011 23:00

Im „normalen“ Brems- und im Schiebebetrieb gewinnt das Ampera-System die Energie so gut wie vollständig zurück. Unsere Wirkungsgradangabe von 80 Prozent bezieht praxisnah einen Anteil mechanischer Bremsleistung mit ein. Roll- und Luftwiderstandsverluste sind nicht mit eingerechnet.
Quelle Ralf Majewski in http://opel-ampera.com/wp/2011/08/03/clevere-wachhunde/
Insbesondere bei langsamen Drehzahlen kann ein 111KW Generator nicht mehr die volle Leistung erbringen. Beim Prius ist übrigens unter ca. 10km/h gar keine Rekuperation mehr möglich.
Priusfan, das ist der Grund für den einen Anteil mechanischer Bremsleistung in obigem Zitat. Der andere Teil ist der, bei dem die Leistung des Motors nicht mehr ausreicht und mechanisch gebremst werden muss. Von einer Begrenzung durch den Akku war in den Artikeln von Herrn Majewski nicht die Rede.

Unterhalb einer bestimmten Geschwindigkeit muss blitzschnell von Rekuperation auf mechanisches Bremsen gewechselt werden.
Bei welcher Geschwindigkeit das beim Ampera der Fall ist, weiß ich leider nicht. Beim Fahren war davon jedenfalls nichts zu spüren.

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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von madmarc » 19. Dez 2011 11:44

Technische Details sind interessant, alles andere ist uninteressant. Das Marketing gedös die Vermutungen usw.

Beim Prius sind es auch 7km/h und jeder weiß wieso das so ist und warum Toyota das so programmiert hat.
Haben gewisse Priusfahrer sogar bei dieser auslegung Probleme mit den Bremsen, das sie festrosten können.

Die Frage ist wie Opel diese "Kleinigekeiten" gelößt hat und im Griff hat.

In Amerika wirst du in den meisten Bundesstaaten das Problem nicht generieren, da die Autos nichtmal in Berührung mit Auftaumittel kommen und das Klima viel Autofreundlicher (in Bezug auf Rost) ist.

Ein Ampera der in Österreich nur in der Stadt fährt, den würde ich mir gerne nach 3-4 Jahren anschauen, am Besten noch ein Garagenauto damit das Auftaumittel so richtig gut wirken kann... Vielleicht noch ein Auto das nur 1x in der Woche bewegt wird.

Hier wird auch immer über die Leistung vom Ampera geredet und den Fahrleistungen. Ich sag mal das zwischen Prius und Ampera nicht so besonders viel um ist bei den Fahrleistungen. Was der eine schwerer ist ist der andere Schwächer.
Die Frage ist auch wie sich die Fahrleistungen verändern wenn der Ampera mal in den Hybridmodus wechselt.
Ich hoffe das ich einen Ampera für einige Tage zum Testen bekomme. Ich habe schon telefoniert mal schauen was Opel spricht.

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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von sonixdan » 19. Dez 2011 14:01

Der Ampera bremst via Rekuperation, soweit möglich. Wenn das nicht mehr ausreicht, kommt die mechanische Bremse hinzu.

Auf der Probefahrt habe ich (subjektiv) festgestellt, dass er in der D-Stellung in etwa so bremst, wie ein Benziner. In der L-Stellung bremst er wie mein ehemaliger Mitsubishi Pajero mit 2.5L Diesel - also ziemlich stark (mein Pajero hatte nach über 150'000 Km noch die ersten Bremsen drauf, und die waren alles andere als verschlissen). Man sollte also in der L-Stellung langsam vom Gas gehen, sonst kann es für Beifahrer unangenehm werden.

Dass die Bremsen, wenn sie kaum gebraucht werden, einrosten können, habe ich mir auch schon gedacht. Das lässt sich aber ganz einfach umgehen -> Einmal pro Woche kräftig bremsen :-)

PS: Auf der Probefahrt habe ich versucht, den Übergang von Rekuperation zum mechanischen Bremsen zu bemerken. Ich konnte nichts feststellen, der Übergang ist scheinbar sehr weich und angenehm.

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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von Priusfan » 21. Dez 2011 13:02

sonixdan hat geschrieben:PS: Auf der Probefahrt habe ich versucht, den Übergang von Rekuperation zum mechanischen Bremsen zu bemerken. Ich konnte nichts feststellen, der Übergang ist scheinbar sehr weich und angenehm.
Ja so sollte das auch sein.

Ist technisch auch nicht weiter schwierig. Der Computer bekommt die benötigte Bremsleistung vom Bremspedal vorgegeben. Dieser versucht nun zu 100% mit dem Generator dies zu bewerkstelligen. Reicht die elektrische Bremsleistung nicht mehr aus, erhöht er in Bruchteilen von einer Sekunde den Bremsdruck der hydraulischen Bremsen. Da dies stufenlos geschieht, merkt man vom Übergang nix.

Freut Euch auf verostete Bremsen, die aber mindestens 100.000km ohne nennenswerten Verschließ durchhalten müßten. Ausgenommen Autotester und Alpenbewohner ;)

Joachim
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Re: Wie funktioniert das Bremssystem des Ampera?

Beitrag von Joachim » 21. Dez 2011 13:30

Ralf Majewski hat geschrieben:Ein sehr angenehmer Nebeneffekt des regenerativen Bremssystems: weniger Verschleiß bei Bremsbelag und -scheibe. Sollten die Scheibenbremsen längere Zeit ungenutzt bleiben, sind sie trotzdem jederzeit einsatzbereit. Wenn der Generator bei geringen Geschwindigkeiten langsamer wird, zieht er keine Energie mehr aus dem Fahrzeug. Das dadurch fehlende Bremsmoment wird durch einen blitzschnellen Druckaufbau in den Radbremsen kompensiert. Der Fahrer merkt davon nichts. Die hydraulische Bremse wird kurz angelegt, was zum „Putzen“ der Bremsscheiben und -beläge reicht.
Quelle: http://opel-ampera.com/wp/2011/07/21/ma ... /#comments

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